15 Jun 2026
EuGH-Urteil öffnet Tür für Rückerstattungsklagen bei vormals illegalem Online-Glücksspiel

Hintergründe der Entscheidung
Der Europäische Gerichtshof hat in einem Verfahren entschieden, dass EU-Bürger auch dann Schadensersatzansprüche gegen Online-Glücksspielanbieter geltend machen können, wenn die entsprechenden Wetten zum Zeitpunkt ihrer Platzierung in ihrem Heimatland verboten waren, während nationale Regelungen sich später geändert haben, und diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, ob die Anbieter ihren Sitz in einem anderen Mitgliedstaat haben.
Das Urteil geht auf eine Vorlage eines maltesischen Gerichts zurück, bei der ein deutscher Kläger Schadensersatz für Verluste aus Online-Slots und bestimmten Wettangeboten verlangte, die vor der Liberalisierung im Juli 2021 in Deutschland stattfanden, und die Richter stellten klar, dass EU-Recht solche zivilrechtlichen Rückforderungen nicht ausschließt.
Kernpunkte des EuGH-Urteils
Die Richter betonten, dass Mitgliedstaaten Online-Glücksspiel zum Schutz der Verbraucher einschränken dürfen, und diese Befugnis bleibt auch dann bestehen, wenn Anbieter aus Ländern mit liberaleren Regelungen kommen, während zivilrechtliche Ansprüche auf Rückerstattung von Verlusten durch nationale Gerichte geprüft werden können, und zwar ohne dass europäisches Recht eine Sperrwirkung entfaltet.
Im konkreten Fall hatte der Kläger auf einer Plattform mit Sitz in Malta gespielt, und die maltesischen Behörden hatten das Verfahren an den EuGH verwiesen, weil grundsätzliche Fragen des EU-Rechts berührt waren, während die Entscheidung nun für alle EU-Staaten richtungsweisend ist.
Auswirkungen auf deutsche Spieler
Personen, die vor Juli 2021 in Deutschland Online-Slots oder bestimmte Sportwetten getätigt haben, können nun bei den zuständigen Gerichten Rückerstattungen beantragen, sofern die Angebote damals illegal waren, und Gerichte prüfen in jedem Einzelfall die Voraussetzungen, während die Liberalisierung seit 2021 keine rückwirkende Legalisierung früherer verbotener Aktivitäten bewirkt.
Rechtsexperten verweisen darauf, dass ähnliche Klagen bereits in mehreren Bundesländern anhängig sind, und die aktuelle EuGH-Entscheidung diese Verfahren zusätzlich stützt, weil sie die Zulässigkeit zivilrechtlicher Ansprüche ausdrücklich bestätigt, während Anbieter argumentieren, dass sie aufgrund von Lizenzen in ihren Sitzstaaten gehandelt hätten.

Rechtliche Konsequenzen für Anbieter
Betreiber mit Sitz in Malta oder anderen EU-Ländern müssen sich darauf einstellen, dass deutsche Gerichte künftig vermehrt über Rückforderungen entscheiden, und die Urteilsbegründung stellt klar, dass die Dienstleistungsfreiheit nicht automatisch Vorrang vor Verbraucherschutzregelungen hat, während gleichzeitig die Möglichkeit besteht, dass ähnliche Fälle aus anderen Mitgliedstaaten folgen.
Die Entscheidung datiert aus dem Frühjahr 2026 und wird in Fachkreisen als wichtige Klarstellung gewertet, weil sie die Balance zwischen grenzüberschreitenden Angeboten und nationalen Verbotsregelungen neu definiert, und zwar ohne dass bestehende Liberalisierungen in Frage gestellt werden.
Praktische Umsetzung in der Praxis
Betroffene Spieler müssen nachweisen, dass die jeweiligen Spiele zum Zeitpunkt der Teilnahme illegal waren, und Gerichte berücksichtigen dabei die damalige Rechtslage in Deutschland, während Anbieter Einwände wie Verjährung oder fehlende Kausalität vorbringen können, und erste Verfahren zeigen, dass detaillierte Spielhistorien und Kontoauszüge als Beweismittel dienen.
Die EuGH-Pressemitteilung zum Urteil im Verfahren mit Bezug auf C-440/23 oder verwandte Verfahren liefert weitere Details zur Begründung, und nationale Gerichte setzen diese Vorgaben nun schrittweise um, während in Juni 2026 bereits mehrere Pilotverfahren in deutschen Instanzen laufen.
Schlussfolgerung
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs schafft eine verbindliche Grundlage für Rückerstattungsklagen in der gesamten EU, und deutsche Spieler profitieren von dieser Klarstellung besonders, weil sie Ansprüche aus der Zeit vor der Regulierung nun gerichtlich durchsetzen können, während Anbieter ihre Risikobewertung anpassen müssen. Die Entscheidung beeinflusst laufende Verfahren und künftige Klagen gleichermaßen, und Beobachter erwarten weitere gerichtliche Auseinandersetzungen in den kommenden Monaten.